Aktuelles | 17.10.2026

2019–2026: Sieben Jahre Marjánka als eigenständiger Verein

Fortsetzungsserie – 10. Teil

Dieses Jahr haben wir dem 15-jährigen Gründungsjubiläum von Marjánka gewidmet. Aus diesem Anlass haben wir in den Wiener Freien Blättern und auf der Website des Vereins eine Serie veröffentlicht, die die einzelnen Etappen ihrer Entwicklung nachzeichnet. Außerdem haben wir ein Interview mit den Gründerinnen veröffentlicht. Der abschließende Teil fasst den Weg von Marjánka seit 2019 zusammen, als der Verein als eigenständiger Verein registriert wurde, bis in die Gegenwart. Den Abschluss des Jubiläumsjahres bildet ein Adventskonzert, das am 13. Dezember in der Wiener Kirche Maria am Gestade stattfindet. Zu diesem festlichen Anlass laden wir alle Landsleute herzlich ein.

Die Geschichte von Marjánka begann bereits 2011, als zwei Mütter in Wien eine ehrenamtliche Initiative ins Leben riefen, um eine Gruppe für Kinder im Vorschulalter zu schaffen, in der sie sich auf natürliche Weise in der tschechischen Sprache entwickeln konnten. Aus dieser kleinen Kindergruppe entstand nach und nach ein Folkloreensemble. Weitere Aktivitäten kamen hinzu und brachten Kinder und Erwachsene zusammen, die sich für die tschechische und slowakische Sprache, Folklore, Musik, Tanz und Traditionen interessierten. Am 16. Oktober 2019 wurde Marjánka im österreichischen Vereinsregister als eigenständiger gemeinnütziger Verein unter dem Namen Tanz-, Musik- und Sprachverein Marjánka eingetragen. Nach acht Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit erhielt die Initiative damit eine offizielle rechtliche Form und eröffnete sich neue Möglichkeiten für ihre weitere Entwicklung. Die folgenden Jahre brachten nicht nur neue Chancen, sondern auch unerwartete Herausforderungen. Kaum hatte sich das Vereinsleben richtig entfaltet, wurde es von der Pandemie getroffen, die das gewohnte Miteinander lange Zeit unterbrach und die ursprünglichen Pläne veränderte. Dennoch gelang es, die Aktivitäten aufrechtzuerhalten, das Angebot schrittweise zu erweitern und Marjánkas Stellung im Leben der tschechischen und slowakischen Minderheit in Wien zu stärken. Der Rückblick auf die Jahre 2019 bis 2026 zeigt, wie der Verein diese Herausforderungen bewältigte, welche neuen Möglichkeiten sich eröffneten und was dank des Einsatzes seiner Mitglieder und Unterstützer erreicht werden konnte.

Bereits im ersten Jahr des Vereins, als sich seine Aktivitäten zunehmend entfalteten, kam eine Herausforderung, mit der niemand gerechnet hatte. Das Jahr 2020 stellte nicht nur die Pläne von Marjánka, sondern die ganze Welt auf den Kopf. Auch das Vereinsleben war von der Pandemie betroffen. Proben, Auftritte, Gruppenangebote und gemeinsame Treffen, auf denen die Vereinsarbeit beruhte, waren plötzlich nicht mehr möglich. Für den jungen Verein war dies eine außerordentlich schwierige Zeit. Der Vorstand musste auf die ständig wechselnden Maßnahmen reagieren und gleichzeitig Wege finden, den Kontakt zwischen den Mitgliedern aufrechtzuerhalten. Dabei ging es nicht nur darum, ob die geplanten Veranstaltungen stattfinden konnten. Viel wichtiger war es, die Menschen, ihr Interesse und ihre Motivation zum Weitermachen nicht zu verlieren. Der Jahresbericht für 2020 wurde so zum ersten Kapitel einer neuen Vereinsgeschichte. Seit diesem Jahr begannen die Mitglieder, ihre Aktivitäten, durchgeführten Projekte, die finanzielle Gebarung und ihre Zukunftspläne regelmäßig zu dokumentieren. Im selben Jahr wurde Marjánka auch Mitglied des Minderheitenrats der tschechischen und slowakischen Volksgruppen in Österreich, einer Dachorganisation tschechischer und slowakischer Minderheitenvereine in Österreich.

Auch 2021 brachte noch keine Rückkehr zum gewohnten Alltag. Die Pandemie dauerte an und mit ihr kamen weitere Einschränkungen. Im Vorwort zum Jahresbericht räumte die Vorsitzende Martina Canova offen ein, dass die ursprünglich geplanten großen Feierlichkeiten zum zehnjährigen Jubiläum einem wesentlich wichtigeren Ziel weichen mussten: die Vereinsarbeit aufrechtzuerhalten und die Motivation der Mitglieder zu bewahren. Deshalb suchten die Mitglieder nach anderen Möglichkeiten. Im Rahmen der Aktion „100 Frühlingskilometer“ entstand eine Reihe von Ausflügen. Außerdem fanden ein sportlich-unterhaltsamer Nachmittag im Prater statt, und es wurden Maskottchen für den Verein sowie ein Entwurf für eine Marjánka-Truhe entwickelt. Den Sommer nutzten die Mitglieder, um die weitere Vereinsarbeit zu planen und neue Aktivitäten vorzubereiten, die im Herbst starteten. Das Angebot wurde um eine Kinder-Zimbelmusikgruppe, die slowakische Vorbereitungsgruppe Srdiečko, Kreativwerkstätten und die neue Kindergruppe „Von Märchen zu Märchen“ erweitert. Ein großes Projekt war auch die Anfertigung neuer Trachten für das Folkloreensemble. Dank der finanziellen Unterstützung des Außenministeriums der Tschechischen Republik konnte eine authentische Marjánka-Tracht nach einem eigenen Entwurf geschaffen werden. Vereinsmitglieder waren an der Vorbereitung beteiligt und investierten Hunderte ehrenamtliche Arbeitsstunden in das Projekt. Das zehnjährige Jubiläum konnte zwar nicht wie ursprünglich geplant gefeiert werden, wurde aber dennoch gewürdigt. Vielleicht erhielt es gerade in dieser schwierigen Zeit eine noch tiefere Bedeutung. Die Idee, die 2011 entstanden war, lebte weiter.

Das Jahr 2022 brachte eine schrittweise Rückkehr zum gewohnten Vereinsleben. Nach einer langen Zeit der Einschränkungen war es wieder möglich, sich regelmäßig zu treffen, zu proben, zu tanzen, zu singen und Auftritte vorzubereiten. Damit kehrte der Verein zu dem zurück, was seine Arbeit im Kern ausmacht: zur persönlichen Begegnung. Aktivitäten, Workshops, Ausflüge und weitere gemeinsame Veranstaltungen wurden wieder aufgenommen, und das Folkloreensemble konnte sich erneut intensiv auf öffentliche Auftritte vorbereiten. Nach den Erfahrungen der beiden vorangegangenen Jahre wurde deutlich, dass gerade der persönliche Kontakt für eine Minderheitengemeinschaft unersetzlich ist. Sprache, Kultur und Traditionen werden nämlich nicht nur durch Programme oder Unterricht weitergegeben. Sie leben vor allem in gemeinsamen Erlebnissen, Gesprächen, beim Singen und Tanzen und im ganz alltäglichen Miteinander weiter. In den folgenden Jahren entwickelte sich die Vereinsarbeit kontinuierlich weiter.

Neue Auftritts- und Kooperationsmöglichkeiten eröffneten sich 2023. Das Folkloreensemble beteiligte sich zunehmend an Veranstaltungen der tschechischen und slowakischen Minderheit sowie am öffentlichen Kulturleben Wiens. Folklore wurde damit nicht nur zu einer Aktivität für die Mitglieder des Ensembles, sondern auch zu einer Möglichkeit, die tschechische und slowakische Kultur einem breiteren Publikum näherzubringen. Die Vereinsmitglieder traten bei verschiedenen kulturellen und gesellschaftlichen Veranstaltungen auf, und Marjánka knüpfte Kontakte zu weiteren Vereinen, Institutionen und Organisationen. Besonders hervorzuheben sind die Teilnahme anlässlich des offiziellen Besuchs des tschechischen Präsidenten Petr Pavel und Eva Pavlová in Österreich sowie ein Auftritt im österreichischen Parlament am Tag der Volksgruppen. Damit wurde immer deutlicher, dass die ursprüngliche, auf Kinder ausgerichtete Idee längst über ihren ursprünglichen Rahmen hinausgewachsen war. Der Verein begann, Kinder, Jugendliche, Eltern und Erwachsene miteinander zu verbinden und einen Ort zu schaffen, an dem Menschen aus der tschechisch- und slowakischsprachigen Gemeinschaft ganz selbstverständlich zusammenkommen.

Das Jahr 2024 war ein weiterer wichtiger Meilenstein für die Vereinsmitglieder. Seit der offiziellen Gründung des Vereins waren fünf Jahre vergangen. Obwohl Marjánka bereits seit 2011 aktiv war, zeigte gerade die erste fünfjährige Phase als offiziell eingetragener Verein, wie solide die Grundlagen geworden waren. Ende des Jahres hatte der Verein 51 ordentliche Mitglieder. Im Laufe des Jahres beteiligten sich mehr als 400 Menschen an seinen Aktivitäten – von den jüngsten Kindern bis hin zu Seniorinnen und Senioren. Das Folkloreensemble umfasste rund 80 Personen und vereinte alle Altersgruppen. Daneben gab es Kindergruppen, eine Zimbelmusikgruppe, Kreativwerkstätten, spezielle Kreativworkshops und einen Tanztreff. Das Jahr 2024 eröffnete auch neue Möglichkeiten, die tschechische und slowakische Kultur zu repräsentieren. Das Folkloreensemble trat erstmals auf der Ferien-Messe Wien sowie bei einer Feier zur Begrüßung von Neugeborenen in der Botschaft der Tschechischen Republik in Wien auf. Das traditionelle Jahreskonzert war erneut die größte Veranstaltung des Jahres: 75 Mitwirkende standen auf der Bühne. Darüber hinaus fanden zahlreiche weitere Aktivitäten statt. Kinder und Erwachsene trafen sich bei Kreativworkshops, Ausflügen und anderen gemeinsamen Veranstaltungen. Erstmals wurden auch Adventkränze gebunden, in Zusammenarbeit mit der Tschechischen Seelsorge in Österreich. Gemeinsam mit Alumni-CZ-Austria wurde außerdem eine Führung durch das österreichische Parlament organisiert. Nicht weniger wichtig war die Zusammenarbeit mit tschechischen und slowakischen Medien in Wien, die sich zunehmend vertiefte. Die Mitglieder informierten regelmäßig über ihre Aktivitäten in den Wiener Freien Blättern sowie in den Zeitschriften Česká a slovenská Vídeň dnes, Pohľady und Kulturní klub. Auch die Zusammenarbeit mit der Minderheitenredaktion des ORF wurde fortgesetzt.

Aufbauend auf dieser Entwicklung setzte der Verein seine Aktivitäten 2025 fort und erweiterte sein Angebot weiter. Ein besonderes Ereignis war das zehnte Jubiläumskonzert des Folkloreensembles. Beim Programm Schätze aus der Truhe kamen verschiedene Generationen von Mitwirkenden auf der Bühne zusammen. Das Konzert wurde zu einer symbolischen Präsentation dessen, was durch jahrelange gemeinsame Arbeit entstanden war. Der Titel des Konzerts brachte zugleich das Wesen der Vereinsarbeit zum Ausdruck. Die Schätze, die die Mitglieder bewahren, sind nicht nur Trachten, Lieder und Tänze. Es sind auch Erinnerungen, Geschichten, Rezepte, Bräuche und Sprache. All das bringen Menschen aus ihren Familien und von früheren Generationen mit und geben es durch gemeinsame Aktivitäten weiter. Neben der Folklore wurden auch die weiteren Angebote für Kinder, Kreativwerkstätten, der Tanztreff und andere Möglichkeiten der Begegnung fortgeführt. Schrittweise entwickelten sich auch die tschechisch-slowakischen Treffen im Restaurant Schweizerhaus weiter. Sie boten Landsleuten und Menschen, die die tschechische und slowakische Gemeinschaft kennenlernen möchten, einen Ort für ungezwungene Begegnungen. Ein weiterer wichtiger Schritt war die Verlegung des Vereinssitzes von einer Privatadresse in Niederösterreich an eine neue Adresse im Zentrum Wiens. Ein offizieller Vereinssitz direkt in Wien bedeutet einen wichtigen Fortschritt für die weitere Verankerung von Marjánka und erleichtert die organisatorische und administrative Arbeit.

Hinter jedem Jahr der Entwicklung steckt jedoch auch Arbeit, die auf den ersten Blick nicht sichtbar ist. Die seit 2020 regelmäßig erstellten Jahresberichte dokumentieren nicht nur Veranstaltungen und Projekte, sondern auch den täglichen Einsatz jener Menschen, ohne die der Verein nicht funktionieren könnte. Die Organisation von Proben und Auftritten, die Vorbereitung von Kinderprogrammen und Workshops, die Buchhaltung, Dokumentation und Archivierung, das Einreichen von Förderanträgen und deren Abrechnung, die Kommunikation mit Medien sowie die Betreuung der Website und der sozialen Medien – all das erfordert Zeit, Energie und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Ehrenamtliche Arbeit ist ein selbstverständlicher und unverzichtbarer Bestandteil des Vereinslebens. Hinter jedem Auftritt, jedem gemeinsamen Treffen und jeder gelungenen Veranstaltung stehen Menschen, die neben Beruf und familiären Verpflichtungen ihre Freizeit einer gemeinsamen Sache widmen. Ihr Engagement ist eine der wichtigsten Voraussetzungen dafür, dass sich Marjánka weiterentwickeln und einen Ort der Begegnung für die tschechische und slowakische Minderheit in Wien schaffen kann.

All diese Erfahrungen und das gemeinsame Engagement haben uns in das Jubiläumsjahr 2026 geführt, in dem wir 15 Jahre seit der Gründung von Marjánka feiern. Es ist eine Gelegenheit, auf den bisherigen Weg zurückzublicken und sich bewusst zu machen, wie viel wir gemeinsam aufgebaut haben und wie viele Menschen an dieser Geschichte beteiligt waren. Seit den ersten Aktivitäten für Kinder, den ersten Treffen und den ersten Tanzschritten sind fünfzehn Jahre vergangen. In dieser Zeit hat sich vieles verändert. Einige Kinder, die einst zu ihrer ersten Probe kamen, sind heute erwachsen und engagieren sich selbst im Verein. Aus Eltern wurden Gruppenleiter, Organisatoren und Helfer. Neue Mitglieder kommen hinzu und bringen neue Ideen mit.

Doch eines ist geblieben: der Wunsch, einander zu begegnen, die Sprache der Minderheit zu bewahren und sie an die nächsten Generationen weiterzugeben.

Die persönlichen Begegnungen sind für die Vereinsmitglieder eine der wichtigsten Voraussetzungen dafür, dass die tschechische und slowakische Minderheit in Wien lebendig bleibt. Kinder sollen die Möglichkeit haben, die Sprache ihrer Vorfahren auch außerhalb der Familie zu hören und zu verwenden. Sie sollen Lieder, Tänze und Traditionen kennenlernen, die sonst nach und nach verschwinden könnten. Und Menschen, die in Wien leben, sollen Freundschaften schließen, eine Beziehung zur Gemeinschaft aufbauen und das Gefühl entwickeln können, dazuzugehören. Marjánka ist längst mehr als das Folkloreensemble, als das sie einst begonnen hat. Sie ist eine Gemeinschaft von Menschen verschiedener Generationen, die miteinander tanzen, singen, musizieren, kreativ sind, Veranstaltungen organisieren oder einfach vorbeikommen, um miteinander zu plaudern.

Der Rückblick auf die Jahre 2019 bis 2026 zeigt deutlich, welchen Weg die Vereinsmitglieder zurückgelegt haben. Sie begannen als junger Verein, der sich fast unmittelbar mit der Pandemie auseinandersetzen musste. Dennoch gelang es, die Aktivitäten aufrechtzuerhalten, das Angebot schrittweise zu erweitern, neue Projekte zu entwickeln, regelmäßige Begegnungen wiederzubeleben und einen festeren Platz innerhalb der tschechischen und slowakischen Minderheit in Wien zu finden. Das 15-jährige Jubiläum ist deshalb nicht nur ein Anlass, zurückzublicken. Es erinnert auch daran, dass eine Minderheit nicht von selbst bestehen kann. Sie braucht Menschen, die einander begegnen möchten. Sie braucht Kinder, die tschechische und slowakische Lieder singen wollen. Sie braucht Eltern, die ihre Kinder mitbringen. Sie braucht Tänzerinnen und Tänzer, Musikerinnen und Musiker, Gruppenleiter, Organisatoren und all jene, die vielleicht nur gelegentlich mithelfen. Denn eine Minderheit lebt vor allem durch die Menschen, die sie tragen. Und die Mitglieder von Marjánka beweisen seit 15 Jahren, dass aus einer kleinen Kindergruppe eine Gemeinschaft entstehen kann, die Generationen verbindet, Sprache und Traditionen bewahrt und zugleich in der Gegenwart lebt – wenn sich genügend Menschen finden, die gemeinsam etwas gestalten möchten.

Die Geschichte, die 2011 begann, geht also weiter. Wie ihr nächstes Kapitel aussehen wird, hängt vor allem von den Menschen ab, die sich entscheiden, Teil davon zu werden, aber auch von der finanziellen Unterstützung, die der Verein erhalten kann und die ihm ermöglicht, seine Aktivitäten weiterzuentwickeln.

Zum Abschluss des Jubiläumsjahres veranstalten wir am 13. Dezember ein Adventskonzert in der Kirche Maria am Gestade, zu dem wir alle Landsleute herzlich einladen. Auf einer Bühne werden nicht nur Mitglieder des Folkloreensembles Marjánka und des Chors Lumír zusammenkommen, sondern auch tschechische und slowakische Künstlerinnen und Künstler, die in Wien tätig sind und persönliche Verbindungen zu Marjánka haben – sei es als aktuelle oder ehemalige Mitglieder. Freuen Sie sich auf Peter Kellner von der Wiener Staatsoper, den Dirigenten und Organisten František Macek, die Opernsängerin Eli Our sowie die jungen talentierten Musiker Leonidas und Amadeus Janoška.

Verbringen Sie mit uns die festliche Adventszeit, treffen Sie Landsleute und feiern Sie gemeinsam 15 Jahre Marjánka. Dieses besondere Konzert sollten Sie sich nicht entgehen lassen!